Philipp Melanchthon - unser Namenspatron wird
500 
Ein stolzes Alter kann man da nur sagen. Denn unsere
Gemeinde, die nach ihm benannt ist, gibt es erst seit 50 Jahren. Wir gratulieren
ihm, diesem Philipp, von dem einer seiner Schüler gesagt hat: "Um unseren
Philipp zu hören, sind von allen Gegenden Deutschlands, was sage ich
Deutschlands, vielmehr von allen Provinzen und Königreichen ganz Europas, aus
Frankreichs, England, Ungarn, Siebenbürgen, Polen, Dänemark, Böhmen, auch aus
Italien, ja aus Griechenland zu allen Zeiten Studenten in sehr großer Zahl nach
Wittenberg zusammengeströmt, weil sie vom Ruf seines Namens angelockt
wurden." Und Martin Luther hat über ihn, seinen Freund und Mitreformator
gesagt: "Dieser kleine Grieche übertrifft mich auch in der
Theologie". Der aber war mitnichten ein Grieche, sondern stammte aus dem württembergischen
Bretten. Geboren ist er dort 1497 mit dem Namen Schwarzerdt; für Gelehrte war
es eine Sache der Ehre, dass der Name ins klassische Griechisch übersetzt
wurde: Melanchthon. Noch keine 13 Jahre alt, studierte er in Heidelberg und später
in Tübingen.
1518, im Jahr nach Luthers Thesenanschlag, kam er als
Lehrer für Griechisch und Hebräisch an die Universität Wittenberg. Schon bald
bekannte sich der junge Humanist zu Luthers reformatorischen Ideen. 1521 schrieb
er mit den "Grundbegriffen der Theologie" das erste dogmatische
Lehrbuch der Lutheraner. Damit war seine Rolle klar: Er war der Pädagoge der
Reformation, Melanchthon vertrat die neuen Erkenntnisse über das Evangelium auf
zahlreichen Konferenzen und Streitgesprächen. Vor allem aber gestaltete er das
Schulwesen neu. Mit seinen Unterrichtsbüchern und Schulordnungen unterstützte
er die Gründung von städtischen Schulen und Universitäten.
Wie das so ist, wenn zwei Menschen um die Wahrheit ringen:
Sie sind nicht immer einer Meinung. Oftmals gerieten sich der aufbrausende
Luther und der diplomatische Melanchthon in die Haare. Melanchthons Verhältnis
zu Luther hat sich bewegt zwischen inniger Freundschaft, tiefem Respekt und
Seufzen unter der, wie er schrieb, "schändlichen Knechtschaft" unter
Luthers Ungeduld. Vier Kinder hatte Philipp mit seiner Frau Katharina Knapp.
Nach seinem Tod 1560 wurde er in der Wittenberger Schlosskirche neben Martin
Luther beigesetzt. 1997 jährt sich sein Geburtstag zum 500. Mal. Am 16.
Februar, seinem Geburtsdatum, feiern wir deshalb einen festlichen Gottesdienst
mit der Krönungsmesse. Und später im Jahr, im Juni, wird es dann einen ganzen
Melanchthon-Tag geben.
Gemeindebrief Seite 2: Februar/März 1997 P. Andreas Zühlke
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